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Wie Sadomaso durch Fifty Shades of Grey salonfähig wurde

Wie Sadomaso durch Fifty Shades of Grey salonfähig wurde Sadomasochismus, eine Sex-Fantasie, die zwar von vielen erträumt und von einigen auch ausgelebt wird. Allerdings nur im stillen Kämmerlein. Gesprochen darüber wurde, wenn überhaupt, dann nur hinter vorgehaltener Hand. Dabei sind es nicht schwarz gekleidete Rocker oder Punks, die dieser Lust frönen oder Damen in Lederkleidung, bei denen man es vielleicht erwartet.

Ähnlich wie bei der Kondomwerbung „Ich mag es hart – mach’s, aber mach’s mit!“, wo eine biedere Hausfrau oder ein Jüngling im Rollkragenpullover vom Plakat lächeln sind es Menschen wie Sie und ich, die Sado-Maso praktizieren. Banker, Schuldirektoren, Geschäftsführer, Ärzte… aber natürlich auch der Klempner oder die Sekretärin, die Kindergärtnerin und natürlich die klischeehafte biedere Hausfrau sowie der Jüngling. Sie tauschen nachts entweder ihre tägliche Verantwortung gegen die Unterwürfigkeit oder ihren gleichförmigen Alltag gegen ein bizarres Zweitleben, wo die Lust zu fesseln und vielleicht sogar zu bestrafen Oberhand gewinnt.

Was ist Sadomasochismus?

Vereinfacht kann man sagen: Der Sadist hat Spaß an der Macht und am Beherrschen, der Masochist unterwirft sich gern. Diese Spielart des Sex hat viele Gesichter: In Fifty Shades of Grey wird hauptsächlich Bondage und Spanking beschrieben, also es geht viel um die Teilbereiche des Fesselns und des „lustvollen“ Schlagens. Dabei wird der Protagonist jedoch vorwiegend als „leicht dominant“ beschrieben. Wer in die Tiefen des Sado-Masochismus vordringt, wird mit Fetischismus (Vorliebe zu Gegenständen oder Körperteilen, zum Beispiel High-Heels oder Füßen in Tennissocken) ebenso konfrontiert wie mit Windelfreunden, die selbst als Erwachsene noch gern Windeln tragen.

Sadomaso – ein prägnantes Wort für das Spiel mit der Macht

Er wird feststellen, dass Fesseln und Verschnüren (Bondage) nicht die einzigen Möglichkeiten sind, eine Person ihrer Freiheit zu berauben, sondern dass Käfige, Hand- und Fußschellen und ähnliche Hilfsmittel dafür genauso gut geeignet sind. Selbst Spanking (Schlagen) hat verschiedene Spielarten: von der nackten Hand über ein Paddel bis hin zu fünfzehnschwänzigen Peitschen. Und auch Pet Play ist ein Teilbereich von Sado-Masochismus, wobei die Fantasien dahin gehen, ein Tier (Hund, Schwein, Schaf usw.) zu sein. Entsprechend wollen diese Menschen auch behandelt werden, also zum Beispiel in Boxen stehen oder angepflockt werden. Wer einmal eine Erotikmesse zum Thema besucht hat, findet nicht nur verschnürte Frauen in Highheels, sondern auch Männer, die von Damen im Latexoutfit an der Leine auf allen Vieren über den Laufsteg geführt werden.

Masken, Knebel und Latex- oder Gummikleidung spielen bei Sado-Masochismus häufig eine Rolle. Ebenfalls gibt es Menschen, die eine Vorliebe für Regenjacken oder Kittelschürzen haben. Kaviar und Natursekt (Exkremente und Urin) werden auf vielfältige Weise eingesetzt. Selbst das leichte Würgen oder Spielchen mit Strom sind im Bereich Sado-Masochismus angesiedelt. Und damit sind nur einige Unterarten von SM kurz angerissen.

Worum geht es bei SM?

Bei SM geht es hauptsächlich darum, so sagen Subs: Sklaven und Zofen (also der unterwürfige Part), dass man sich seiner Verantwortung entledigt und eintaucht in eine andere, bizarre Welt. In der man sich ganz seiner Herrin oder seinem Herrn ausliefert und deren Befehlen unbedingten Gehorsam leistet. Der dominante Part kann ebenfalls im Alltag eine starke Persönlichkeit sein, aber auch manche eher unscheinbare Frau und mancher eher schüchtern wirkende Herr taucht möglicherweise in der Nacht gern in eine andere Rolle: In die der Herrscherin, des Herrschers. In die Rolle des Machtinhabers, der diese ausnutzt, allerdings nie, um den Unterwürfigen zu verletzen. Nach Aussagen von dominanten Personen geht es trotzdem darum, dem Sub eine gewisse Achtung entgegenzubringen. Immerhin spielt in dieser Art sexueller Beziehung Vertrauen eine große Rolle.

Gründe, warum manche Menschen Sado-Masochismus praktizieren, liegen häufig in der Kindheit. Der Windelfetischist beispielsweise fühlte sich das letzte Mal geborgen und geliebt, als er Windeln trug. Später bekam seine Entwicklung aus irgendeinem Grund einen Knacks. Das gilt auch für den devoten (unterwürfigen) Part. Er wurde beispielsweise bestraft, indem er ans Bett gefesselt wurde oder geschlagen. Dadurch verband sich seine Vorstellung mit Liebe und dem Erlangen von Aufmerksamkeit mit diesen Aktivitäten. „Meine Eltern lieben mich, sie kümmern sich, sie schenken mir Aufmerksamkeit, indem sie mich bestrafen.“ Dieser Grundgedanke in Verbindung mit tiefem Vertrauen kann zu Sado-Masochismus führen. Damit wird klar, SM ist nicht nur eine Fantasie oder Spielart des Sex, sondern sie ist mehr, sie ist eine Art Lebenseinstellung.

Welche Rolle spielt Fifty Shades of Grey?

Der Film Fifty Shades of Grey weckte in einer breiten Bevölkerungsschicht die Lust, etwas Neues auszuprobieren. Die meisten Menschen wussten vor dem Film nicht viel über Bondage oder Spanking. Sie sahen Unterwürfigkeit und bizarre Spielchen als etwas Anrüchiges, Verruchtes an. So etwas „macht man nicht“. Und schon gar nicht spricht man darüber.

Fifty Shades of Grey

Mit diesen Tabus hat der Film ein Stück weit gebrochen. Auch wenn eingefleischte echte Sado-Masochisten zuweilen über die Szenen lächeln, weil sie härtere Sachen gewohnt sind und FSoG für sie viel zu seicht ist: Zuschauer, die bisher nur auf „Blümchensex“ standen, entdeckten, dass es interessant sein kann, sich auf etwas anderes, Ungewohntes, Neues einzulassen. Viele werden das nun nicht bis zur letzten Konsequenz tun. Doch gerade Fesselspielchen wurden aus der dunklen „Schmuddelecke“ herausgeholt und plötzlich gar nicht mehr als so abwegig empfunden.

Verständlich ist dies, denn in viele, vor allem langjährige, Beziehungen zieht im Bett Alltag ein. Immer der gleiche Trott, die Lieblingsstellungen, bei Licht oder im Dunklen, zu ähnlichen Tagszeiten und an oft vorbestimmten Tagen (freitags nach dem Baden) können Partner mit der Zeit langweilen. Die Partner sind auf der Suche nach einem Kick, der Abwechslung bringt, der die Gefühle wieder neu zum Aufflammen bringt. Die Fantasie wird nun durch einen solchen Film wie Fifty Shades of Grey angeregt und kann zu der Erkenntnis führen, dass das Ausleben gewisser Spielarten genau den fehlenden Kick bringen könnte.

Dass sich Sex-Läden und sogar Baumärkte verstärkt mit Seilen eingedeckt haben, als der Film vollmundig angekündigt wurde, lässt darauf schließen, dass sie den neuen Trend gewittert haben. Plötzlich sind es nicht mehr „die anderen“, die ihre Fantasien ausleben. Es wird deutlich, dass Sado-Masochismus (vor allem in leichter Ausprägung, wie im Film gezeigt) nichts Unnormales, Anstößiges ist. Dass jeder Mensch, der neuen Wind in sein Sexleben bringen möchte, den Mut besitzen sollte, etwas Neues auszuprobieren. Denn insgeheim schlummern in allen von uns sexuelle Fantasien, egal ob Frau oder Mann.

Was nicht heißt, dass nun jeder, der den Film gesehen oder das Buch gelesen hat, sich automatisch auch mit den Protagonisten identifizieren kann. Es muss auch nicht jeder BDSM auf einmal gut finden oder unbedingt praktizieren wollen. Doch der eine oder andere wird mit Sicherheit neugierig. Erlaubt ist im Bett, was beiden gefällt. Und wenn sich die Partner einig sind, dann kann der Mut, etwas anderes auszuprobieren, durchaus mit prickelnden Gefühlen belohnt werden.


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